Es ist wahrlich erstaunlich, dass es immer noch Berater gibt, welche behaupten, dass im Allgemeinen zu viel Eiweiß gegessen wird. Eine folgenschwere Aussage. Denn viele Menschen haben eher zuwenig als zuviel Eiweiß im Blut. Und wenn die Versorgung mit den lebensnotwenigen Eiweißbausteinchen (essentiellen Aminosäuren) nicht gewährleistet ist, läuft der Organismus auf Sparflamme: schwächelnde Muskeln, ein schlaffes Immunsystem und ein gehemmter Bau glücklich machender Hormone.
So ist z.B. das "Gute-Laune-Hormon" Serotonin auf ein bestimmtes Eiweißbausteinchen, die Aminosäure Tryptophan, angewiesen. Oft genug ist bei einer Depression der Eiweißspiegel im Keller, so dass Serotonin nicht ausreichend gebildet werden kann. Ein Ausgleich der Unterversorgung durch eiweißhaltige Nahrung, wie z.B. fettarmes Fleisch, Fisch, Milch- bzw. Milchprodukte, Eier, Soja, Hülsenfrüchte und Nüsse, kann diesem Mangel entgegen wirken.
Interessant ist: Menschen mit einem tiefen Serotonin-Spiegel denken mehr in Problemen. Ein hoher Spiegel an Serotonin wird eher mit Lösungsdenken in Verbindung gebracht. Und genau dieser Effekt hat dem Hormon Serotonin den Beinamen „Chefhormon“ eingebracht. Ein Blick in die Soziologie der Affen zeigt: der Affen-Führer hat den höchsten Serotonin-Spiegel! Nur wenn unsere Nahrung ausreichend Tryptophan liefert, kann genügend Serotonin gebildet werden. Die Aminosäure Tryptophan finden Sie besonders konzentriert in Fleisch und Fisch, aber auch in Milchprodukten, wie z.B. im Protein Shake!
Neben Tryptophan ist eine weitere lebensnotwenige Aminosäure namens Phenylalanin sehr interessant. Denn dieses Eiweißbausteinchen ist die Grundlage für gleich drei Hormone, welche sich unmittelbar auf dein Gehirn auswirken: das Hormon ACTH macht kreativ und hellwach, Noradrenalin belastbar und optimistisch und das Beta-Endorphin verleiht eine leicht euphorische Grundstimmung. Wenn neue Ideen begeistert entwickelt werden, wenn die Kreativität nur so sprudelt, dann spielen diese drei Eiweiß-bausteinchen dort eine wichtige Rolle.
Aus diesen Gründen ist es nicht weiter verwunderlich, wenn eine regelmäßige Eiweißzufuhr stimulierend wirkt, dabei die Arbeits- und Lebensfreude erhöht. Die einzige Gefahr einer Eiweißzufuhr liegt in der „Verpackung“. Denn häufig sind die oben genannten Eiweißlieferanten in guter Gesellschaft mit einer ordentlichen Portion Fett. Die dadurch oft entstehende hohe Energiezufuhr führt insbesondere in der Kombination mit einem Kohlenhydratlieferanten langfristig gerne zur Übergewichtigkeit (z.B. 40%-Fett-Quark mit Brot, Hackfleisch mit Spaghetti etc.). Daher macht es Sinn, fettarme Eiweißlieferanten zu bevorzugen. Besonders einfach, fettarm, verträglich und gesund kann ein eventuell niedriger Bluteiweißspiegel mit Hilfe eines Protein Shake aufgepäppelt werden.
Mach Fitness-Training für dein Gehirn. Mit täglich mindestens vier Portionen Eiweiß und regelmäßiger Bewegung.
Dein sportliches Gewissen
Patric Heizmann
Montag, 6. März 2006
Macht Eiweiß schlau und glücklich?
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)


10 Kommentare:
Fitline am 10.03.2006 - 09:39
Hallo Patric
Interessanter Bericht. Habe eine Frage dazu. Basieren diese Erkenntnisse auf eigenen Erfahrungen, oder sind diese in einer Studie untermauert? Wenn es eine Studie dazu gibt, kannst du hier den Link anführen?
Danke Alex
Patric Heizmann am 13.03.2006 - 10:34
Hallo Alex,
die Hintergrundinformationen für diesen Artikel entnahm ich aus diversen Fachzeitschriften bzw. Artikel von Ä„rzten. Eine Studie ist mir hierzu nicht bekannt. Darüber hinaus korreliert aus meiner Erfahrung heraus oft bei Frauen und Männer jenseits der Vierzig ein Eiweißmangel mit der Zunahme an Depressionen. Hierzu erhalte ich immer wieder aus meiner täglichen Arbeit Zustimmung von Menschen aus dem Fach bzw. Leidtragende.
Grüße,
Patric Heizmann...Dein sportliches Gewissen
Sebastian am 03.06.2006 - 13:26
Hallo Patric,
das ist ein wirklich interessanter Beitrag, vielen Dank!
Eine Frage habe ich jedoch noch dazu:
Überflüssige Proteine, die dem Körper zu viel zugeführt worden sind, werden doch nicht zu 100% ausgeschieden, sondern können genauso als Energieform in Fettzellen gespeichert werden, als wären zu viele Kohlenhydrate aufgenommen worden, oder?
Daraus würde folgen, dass man -ob nun Sportler oder nicht- darauf achten sollte, nicht zu wenig, aber auch nicht zu viel Protein zu sich zu nehmen, da letzteres für eine Abnahme der Fettreserven nicht gerade zuträglich wäre.
Oder habe ich da etwas missverstanden?
Du wirst es bestimmt wissen, vielen Dank schon einmal im Voraus für eine Antwort! :-)
Beste Grüße,
Sebastian
Hi Sebastian,
letztendlich ist Gewichtszunahme immer eine Frage der Kalorienbilanz: wenn du mehr Energie aufnimmst, als du verbrauchst, wirst du zunehmen. Und da ist es gleichgültig, ob es nun Eiweiß, Kohlenhydrate oder Fette sind. Oder etwas nicht?
Um Eiweiße in Speicherfette zu metabolisieren, ist ein höherer Energieaufwand nötig als bei Kohlenhydraten und (selbstverständlich) Fetten. Es kommt zu einer höheren "„Thermogenese"“ (Wärmeentwicklung). So wurden Studien an Mäusen durchgeführt, welche exakt die gleiche Energiemenge verabreicht bekamen. Doch die einen Mahlzeiten waren stark proteinlastig, die anderen kohlenhydratreich. Die Protein-Mäuse haben bedeutend weniger an Gewicht zugelegt als die Kohlenhydratmäuse. Interessant, nicht?
Beachte, dass bei Kohlenhydrate das Insulin als stark anaboles Hormon ausgeschüttet wird. Bei Eiweiß ist das kaum der Fall. Insulin hemmt auch die Fettverbrennung erheblich. Eiweiß nicht. Damit dürfte deine Frage beantwortet sein?
Liebe Grüße,
Patric Heizmann...dein sportliches Gewissen
Sebastian am 07.06.2006 - 14:33
Hey Patric,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Meine Fragen sind alle beantwortet und ich werde auch ernährungstechnisch daraus meine Konsequenzen ziehen. ;-)
Am Rande:
Auf diese Frage bin ich gekommen, weil in meinem Bekanntenkreis viele, die Krafttraining betreiben, zusätzlich zu ihrer sehr kohlenhydratlastigen Ernährung Unmengen (!) an Proteinshakes zu sich nehmen, um Muskelmasse aufbauen zu können. Diese klagen jedoch auch gleichzeitig darüber, dass sie ihr Fett nicht losbekämen.
Laut deiner Erläuterung wäre für sie dann ja eine Umstellung von einer kohlenhydratlastigen zu einer proteinlastigen Grundernährung viel sinnvoller, als zu versuchen, fehlende Proteine durch Ernährungsergänzungen zu sich zu nehmen. :-)
Aber das nur am Rande. Ich hoffe, dass ich bei meinen Überlegungen keinen Fehler gemacht habe.
Vielen Dank für dein Engagement!
Beste Grüße,
Sebastian
Hi sebastian,
du hast den Nagel auf den Kopf getroffen: viel KH`s + viel Eiweiß... dann haut das natürlich richtig rein. Doch weniger über die Eiweißshakes (nun ja... wenn es Unmengen sind, dann ist das auch möglich). Lässt sich festhalten: es wird wohl sehr fleißig trainiert, aber bei dem entscheidenden Thema "Ernährung" geht die Luft aus. Oder: Halbweisheiten gewinnen die Oberhand. Schick diese Jungs mal auf unseren Blogg hier. Damit der "Schnitzelfriendhof" am Bauch schrupmft ;o)
Beste Grüße,
Patric Heizmann...dein sportliches Gewissen
Dominik am 28.06.2006 - 09:28
Hallo Patric,
hier kann man echt was lernen.
Ich ernähre mich auch sehr eiweißreich in Kombination mit viel Obst und Gemüse.
Kohlenhydrate in konzentrieter Form (Reis, Nudeln, Haferflocken, Vollkornbrot, ...) nehme ich nur direkt vor und nach dem Training zu mir.
Deshalb habe ich mir eingebildet kerngesund zu sein. Aber meine Ärztin meint, meine Leberwerte sind ein bißchen zu hoch. Sie vermutet, dass es durch zu viel Eiweiß kommt.
Was meinst du?
Hallo Dominik,
erstaunlich! Einmal machen Eiweiße die Niere kaputt (hast du sicher auch schon mal gehört). Nun ist die Leber dran. Nun gut. Glaube ich nicht. Was sollst du anstatt dessen essen? Kohlenhydrate? Wohl kaum!
Ich gehe mal ganz stark davon aus, dass du keine Anabolika nimmst oder schon mal genommen hast (denn das kann auch lange danach die Leberwerte verändern). Nun müssten wir einmal anschauen, wie viel Eiweiß und wie gut verteilt du diese zu dir nimmst. Mein Tipp: Pro Kg Körpergewicht 2,5g, über 5-6 Mahlzeiten verteilt. Beispiel: bei 80 Kg sind das 80x2,5g = 200g Eiweiß täglich. Bei sechs Mahlzeiten sind das dann etwas mehr als 30g pro Portion. Ca. 30g Eiweiß sind in 250g Quark, oder 100g Thunfisch, 150g Putenbrust, 1 Protein 80 Shake. Wenn du zuviel nimmst, muss die Leber mehr arbeiten. So auch wie bei viel Fett, viele Kohlendyrate. Mein Tipp: steige mal auf High Amino Complex Tabletts (gibts unter www.sport-fitness.de, dort unter Produkte > Maxx > Supplements) um. Hochkontzentriert, vorverdaut, perfekt (nehme ich auch 1-2x am Tag, 1 Tablette pro 10 Kg Körpergewicht als "„Eiwießmahlzeit"“).
Trinkst du viel? Mindestens zwei, besser drei Liter Wasser, Tee täglich? Wichtig. Achte drauf.
Trainierst du hart? Denn das kann tatsächlich auch zu erhöhten Leberwerten führen.
Versuche es einmal mit diesen Tipps. Und... ein gesundes Misstrauen gegenüber Ärzten ist meiner Meinung nach immer angebracht. Besonders, wenn es um Ernährungstipps geht!
Patric Heizmann...dein sportliches Gewissen
Ingo am 30.04.2007 - 08:11
Hallo Patric,
im Fitnessstudio wurde ich auf versch. Hörbücher von Dir aufmerksam & mit mir hast Du einen neuen Fan bekommen. :-)
Deine Tipps inkl. der Erklärungen sind echt gut gemacht und leuchten ein. Jetzt habe ich aber ein kleines Problem & das nennt sich Refluxkrankheit, was bei mir durch falsche Ernährung, zuviel Süßigkeiten und Übergewicht hervorgerufen wird. Mein Arzt hat mir zu einer eiweiß- und fettarme Ernährung geraten. Hmm, ich will aber im Fitnessstudio auch Muskeln aufbauen und auch eine genauso gute Figur abgeben wie Du.
Gibt es Alternativen zum Muskelaufbau oder wie ist es wenn ein Proteinshake mit Sojamilch mixe?
Vielen Dank auf jeden Fall für Deine Hörbücher und diese Tipps. Ich habe schon viele Bücher und Sendungen gesehen über Ernährung etc, aber niemand hatte es so auf den Punkt gebracht wie Du. Dankeschön.
LG Ingo
Lieber Ingo,
vielen Dank für die lieben Worte. Sicher ist bei der Refluxkrankheit die Vermeidung weiterer Beschwerden Ziel Nr. 1. Eine eiweiß- und fettreduzierte Ernährung ist, um Muskeln aufzubauen, bestimmt nicht förderlich. Hast du es schoneinmal mit einer sehr basischen Kost versucht? Schau mal in den Artikel hier im Blog über die "Basische Ernährung". Halte dich da einmal 14 Tage dran und spüre eine Erleichterung. Versuche, wenn du Eiweiß isst, über den Tag verteilt KLEINE Mengen Eiweiß zu dir zu nehmen. Auch ein Sojashake in Sojamilch kann sehr dientlich sein.
Bleib am Ball.
Patric Heizmann
Kommentar schreiben