Freitag, 2. Juni 2006

Dein Gehirn - die Steuerzentrale deines Essverhaltens

Unglaublich, dass wir Menschen uns vom Einzeller an die Spitze der Nahrungskette entwickelt haben. Glück gehabt. Doch der Lohn für all die Mühe des Entwicklungsprozesses hat auch seinen Preis - unseren Verstand. Oder... nennen wir es "Großhirndenken". Eine kleine Zeitreise in die lange Entwicklungsgeschichte des Gehirns:

Das so genannte Stammhirn sitzt im tiefen Teil des Hinterkopfs. Dieses Gehirn steuert die lebenswichtigen Prozesse wie Atmung, Herzschlag, Körpertemperatur, Verdauungsvorgänge, Hunger, Reflexe und viele mehr. Das Stammhirn kann mit dem Betriebssystem eines Computers verglichen werden, welches das generelle Funktionieren sichert. Dieses "Programm" läuft schon unzählige Millionen Jahre gleichmäßig vor sich hin und sorgt für diese grundlegenden Überlebensmechanismen. Reptilien wie z.B. Eidechsen und Krokodile sind weitgehend in diesem Gehirnentwicklungsstadium "hängen geblieben". Sie leben praktisch nur, um zu überleben.

Das Zwischenhirn – oder auch "emotionale Gehirn" – war der nächste Schritt der Gehirn-Entwicklung vor vielen Zig-Millionen Jahre. Es sitzt, vereinfacht dargestellt, auf dem Stammhirn drauf. Hier sind unsere Emotionen zuhause. In diesem Gehirnanteil ist ein für praktisch alle Handlungen entscheidendes Grundprogramm integriert: "Schmerz vermeiden bzw. Lust/Freude erleben".

Der jüngste Gehirnanteil ist das Großhirn. Obwohl es mit Abstand den größten Platz einnimmt, hat es eigentlich recht wenig zu sagen. Die beiden anderen haben schlichtweg "Älterenrechte" bzw. sie sind wesentlich erfahrener im Umgang mit bedrohlichen Situationen. Und eine der größten Bedrohungen der Urzeit war der Nahrungsmangel, welcher oft genug zum Tod führte.

In der heutigen Zeit heißt das nicht mehr "Nahrungsmangel", sondern "Diät". Nun einmal ganz von vor: das komplex denkende Großhirn (was uns ja zum "schlauen Lebewesen" macht), vergleicht sich gerne mit der "Konkurrenz". Bei diesem Vergleich mit den Mitmenschen geht es um unser aller wichtigster Wert: der Liebe! Über die Medien wird ständig suggeriert, dass schlanke, schöne, sportliche Mensche begehrt, geliebt, geachtet und anerkannt sind - beruflich und privat. Bei einem ausschlaggebenden, kritischen Blick in den Spiegel entscheidet das schlaue Großhirn nun, dass ein paar Pfund weniger Fett doch bestimmt auch einen solchen begehrenswerten Effekt auslösen würden (immer wieder interessant, wenn ich Klienten frage, warum sie abnehmen möchten und sofort die Antwort kommt: "Nur für mich!". Mal ehrlich: Würdest du, mit allem was dazu nötig ist, abnehmen wollen, wenn du der letzte Mensch auf diesem Planenten wären? Sicher... ein hypothetische Frage... aber wie würde deine Antwort lauten?).

Doch jede Form der rigorosen Nahrungseinschränkung löst früher oder später eine Art "Schmerz" aus: Enthaltsamkeit, Hunger, körperliche Schwäche, Schwindel und viele mehr. Im hormonell gesteuerten Überwachungszentrum des "emotionalen Gehirns" löst das Alarm aus! Und nun erfolgt die Verbündung mit dem eigentlich still vor sich hinarbeitenden Stammhirn. Nur um das Überleben zu sichern. Dort wird auf eine verminderte Nahrungsaufnahme reagiert, wie ich es schon im Artikel "Diät? Nur regelmäßige Mahlzeiten ermöglichen die Fettverbrennung" beschrieben habe. Und das "schlaue" Großhirn? Hat keine Chance, wenn sich die zwei Hirnteile mit den "Älterenrechte" zusammenarbeiten. Die sind seit Millionen Jahre ein eingespieltes Team. Dem Großhirn bleiben nur noch diverse Ausreden, welche sicherlich hinlänglich bekannt sind, um die Würde zu wahren (so was kann nur dem Großhirn einfallen).

Du siehst: eine rigorose Nahrungseinschränkung, aber auch eine andauernde Enthaltsamkeit der Lieblingsnahrungsmittel, sorgen früher oder später zur Nothandlung des Stamm- und Zwischenhirns.

Ich sehe die einzige, dauerhafte Lösung in einer langsamen, schrittweisen Umstellung der Ernährung. Am Besten mit dem perfekten Tag. Vermeide das Hungergefühl so gut du es kannst. Denn der dadurch entstehende Schmerz wird dich bzw. dein Großhirn in die Knie zwingen!

Dein sportliches Gewissen
Patric Heizmann

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