Dienstag, 10. April 2007

Wenn es brennt, dann noch drei!

Auf meinen Seminartourneen entdecke ich sie immer wieder: die 3x15! Soll bedeuten: 3 Sätze à 15 Wiederholungen. Interessant dabei zu beobachten ist, dass der letzte, der dritte Satz immer noch mit 15 Wiederholungen ausgeführt wird. Hier stellt sich doch die Frage: was sollte das mit den ersten beiden Sätzen? War das bloß Beschäftigungstherapie?

Wenn diese Trainierenden keine blutigen Anfänger sind und somit einfach gutes (und wichtiges!) Techniktraining machen, dann kann die Antwort nur lauten: Training verfehlt! Denn von einem nachhaltigen Trainingserfolg kann hier keine Rede sein.

Folgendes sollte dir als ernsthaft trainierender immer bewusst sein: Nur wenn es unbedingt sein muss, wird dir dein Organismus (bzw. dessen Steuerzentrale – das Gehirn) durch entsprechende Hormonausschüttungen und Reaktionen im beanspruchten Gewebe mehr Muskeln gönnen. Er ist zunächst einmal gegen die Muskelregeneration. Doch genau diese Muskeln verbrennen nachhaltig und besonders erfolgreich das Zuviel an Körperfett! So findet über das Nerven- und Hormonsystem ein ständiger Abgleich zwischen Muskel und Hirn (Zwischen- und Stammhirn) statt, in welchem erkannt wird, wann es dann unbedingt notwenig wird, heruntergewirtschaftete Muskulatur wieder aufzubauen bzw. zu regenerieren. Insbesondere über das Nervensystem wird das wichtige Signal "Schmerz" an das Gehirn gesendet. Und mit dem Schmerz ist hierbei das typische brennen in der im Training beanspruchten Muskulatur gemeint. Dieses signalisiert eindeutig, dass hier nach dem Workout etwas angepasst werden muss. Es kommt zum gewünschten Anpassungsprozess, der Muskelregeneration!

Wenn aber nun nur 3x 15 Wiederholungen ausgeführt werden, so kann es gut möglich sein, dass der letzte Satz sehr anstrengend ist. Doch die ersten beiden Sätze werden wohl kaum an die Leistungsgrenzen stoßen (auch wenn das nur zu gerne behauptet wird. Glaube mir: du verträgst mehr „brennende Muskeln“ als du derzeit glaubst!). Somit sind die ersten Sätze bestenfalls nochmals zum Aufwärmen gut. Trainingseffekt werden sie kaum erzeugen.

Daher lautet mein Praxistipp: "Wenn es brennt, dann noch drei!". Soll heißen: wähle dein Trainingsgewicht so, dass du zwischen 8 – 12 Wiederholungen schaffst (die 12te Wiederholung darf praktisch gar nicht zu erreichen sein). So wird es irgendwo zwischen der siebten und neunten Wiederholung anfangen, sehr deutlich zu brennen (das ist das entstehende Laktat, die Milchsäure). Und ab hier gilt die Regel: jetzt noch zwei! DAS ist dann ein sehr deutliches Signal für dein Gehirn, sich hier zukünftig fleißigere Muskeln anzuschaffen. Dabei ist selbstverständlich die korrekte Trainingstechnik niemals außer acht zu lassen. Und... dieses Faustformel sollte auch erst dann in Betracht gezogen werden, wenn die Trainingstechnik schon gut trainiert ist, die Übungen sauber ausgeführt werden.

Denke immer daran: nur wenn sich der Muskel anpassen MUSS, tut er es auch. Mach kein Alibi-Training mit lächerlichen Gewichten. Höre nicht genau dann mit dem Training auf, wenn es eigentlich erst anfängt. Solange du eine geschmeidige Bewegung ausführst, wird es dir dein Muskel danken.

Probiere es: gehe nur ein einziges Mal an deine Grenze: langsame Wiederholungen. Solange, bis du unter keinen Umständen mehr eine Wiederholung mehr machen kannst. Wärme dich vorher gut auch und probe das zunächst mit einer Isolationsübung wie z.B. Butterfly.

Du wirst dann schon fühlen, was ich unter "wirklich ernsthaften und erfolgreichem Training" verstehe...

Feel it!

Patric Heizmann

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Kathalin am 10.04.2007 - 20:15
Hallo Patric!
Ich war vor ein paar Tagen bei Deinem Vortrag. Er hat mir ganz toll gefallen und ich bin gerade dabei das umzusetzen.

Bei uns im Studio (reines Frauenstudio)gibt es nur Cardiogeräte und zwei verschiedene Kreise für Cipkarten gesteuertes Zirkeltraining. Eine super Sache finde ich.
Ich 3x die Woche und mein Training sieht wie folgt aus: 10 min Ausdauer zum aufwärmen, 3 Runden im Zirkel und anschließend 45 min Ausdauer.
Du kennst doch sicher diese Zirkel. Wie soll man dort sein Training effektiv gestalten? Bisher mache ich das so wie Du oben beschrieben hast. 3x 8-10 Wiederholungen mit relativ hohen Gewichten in 1/2 Minute - 1/2 Minute Gerätewechsel usw. In der letzten Runde schaffe ich die 8 gerade so. Ist das o.k.?
Irgendwie bin ich etwas verunsichert.
Viele Dank für diese tolle Homepage.

LG Kathalin

Patric Heizmann hat gesagt…

Hi Kathalin,

du sprichst sicher vom Miha-Zirkel,von dem ich sehr viel halte. Wenn dir dein Training so Spaßa macht.. weiter so! Wenn du etwas weniger an Zeit zur Verfügung hast, dann reichen dir auch 2 Runden und 30 Minuten Cardio! Schaue nur, dass das Zirkeltraining dann intensiv bleibt (schon in der zweiten Runde intensiv!) und das du den "Fettverbrennungstrick" (wenige Kohlenhydrate vor/nach dem Training) berücksichtigst!

LG,

Patric Heizmann

Anonym hat gesagt…

dejan am 21.04.2007 - 10:42
Guten Tag,



Ich hoffe ich stör dich nicht!



Ich habe 2 fragen, eine Trainingsfrage und eine Ernährungsfrage für Muskelaufbau.



Du schreibst einen kurzes sehr intensives Training bringt erfolg.



Jetzt habe ich mehrmals gehört das viele Wiederholungen im Hypertrophiebereich Muskelwachstum auslöst, dann höre ich auch das Mikrotraumata Muskelwachstum auslöst.

Also langsam bin ich ehrlich verwirrt...

Kannst du mir das erklären was genau Muskelwachstum auslöst?



Zur Ernährungsfrage:



Du schreibst das man nur am Morgen vor und nach dem Training Kohlenhydrate zu sich nehmen sollte. Ok, das klappt ja an dem Tag wo man trainiert. Wie sollte man sich an nicht Trainingstagen Ernähren? Wenn man nur am morgen Kohlenhydrate zu sich nimmt kann man schwer nur mit Protein einen Kalorienüberschuss für Muskelwachstum erreichen. Wie sollte man mit den fetten umgehen?





Bitte um Antwort



Diese fragen interessieren mich brennend. Wäre dir sehr dankbar.



Vielen dank