Freitag, 18. April 2008

Bildhafte Ernährungssprache: Ernährungsaufklärung einfach gemacht!

Ein Zweibein sitzt auf einem Dreibein und isst ein Einbein. Kommt ein Vierbein zur Türe herein, schnappt dem Zweibein das Einbein weg, worauf das Zweibein das Dreibein nimmt und nach dem Vierbein schmeisst. Verwirrt? Dann lese weiter...
Genau so verwirrend laufen teilweise immer noch landauf, landab Ernährungsberatungen ab: viele Kohlenhydrate, wenige Kohlenhydrate, viel Fett, oder doch wenig Fett? Ach ja… Eiweiß muss mehr gegessen werden, wogegen andere behaupten, wir essen zuviel davon.

Was bei typischen Ernährungsberatungen hängen bleibt, ist der gleiche gemeinsame Nenner: die Kalorien! Darauf wurden wir fixiert. Wobei es keine Berechnungsformeln gibt, welche deinen persönlichen Kalorienbedarf festlegt (auch wenn diese Formeln überall in den Ernährungslehren auftauchen). Denn wie viel Kalorien DU benötigst, hängt von unzähligen Faktoren ab: von deinem Muskelanteil (mehr Muskeln brauchen dauerhaft mehr Kalorien), von deiner Aktivität (Berufs- und Freizeitaktivität), von der Ernährung (eiweißbetonte Kost benötigt mehr Energie, da Eiweiß energieaufwändiger verarbeitet werden muss), von deinem Hormonstatus (Schildrüsenhormone, welche deinen Stoffwechsel regeln), ja selbst vom Wetter (weil bei kaltem Wetter viel mehr Körperwärme produziert werden muss, da der Körper permanent auf 37°C läuft – sei froh, dass Weihnachten im Winter liegt!).

Viel wichtiger ist die Aufklärung, wie unsere Hauptnährstoffe Kohlenhydrate, Fett und Eiweiß im Organismus wirklich funktionieren. Und hierbei ist es wichtig zu verstehen, dass der Mensch unablässig in Bildern denkt: du weißt sofort, was gemeint ist, wenn ich von einem „Haus“, einem „Flugzeug“, einer „Banane“ schreibe. Es erscheint ein Bild vor deinem geistigen Auge. Bei der typischen Begrifflichkeit „Kohlenhydrate“ tauchen auch Bilder auf: vielleicht Brot, Nudeln, oder sind es Kartoffeln? Mit diesen „Referenzbildern“ wird aber nicht erkannt, welche Aufgaben Kohlenhydrate haben. Bei den Begriffen Fett und Eiweiß tauchen ebenfalls eher Bilder zu Produkten auch, anstatt deren Funktionsweise zu erklären.

Genau hier kommt meine mittlerweile weit verbreitete Bildersprache ins Spiel, welche ich schon seit über zehn Jahre sehr erfolgreich einsetze:

Kohlenhydrate sind das „Papier“ des Körpers. Es verbrennt schnell und damit bevorzugt.

Fette (auch gespeichertes Körperfett) glühen langsam und gemächlich wie „Briketts“ vor sich hin.

Eiweiß (auch Protein genannt) dagegen brennt schlecht. Es ist der Rohstoff, der Baustoff des Körpers.

Denn mit Hilfe dieser Referenzbilder lassen sich die Hauptaufgaben der einzelnen Nährstoffe hervorragend erläutern, in Bilder fassen. Das führt oft zu völlig neuen Entscheidungsgrundlagen. Die Begrifflichkeit „Papier“, „Briketts“ und „Baustoffe“ tauchen immer wieder in meinem Weblog auf. So ist dort dann auch schnell zu verstehen, welchen Hintergrund meine dortigen Empfehlungen haben. Du kennst es schon, oder wirst es mit einem schmunzeln entdecken.

Ich benutze aber noch weitere Bilder, um die Grundlagen der Ernährung bzw. des Körpers besser verständlich und für jeden sichtbar zu machen:

Unser gesamter Organismus kannst du dir wie eine große „Stadt“ vorstellen. In dieser Stadt gibt es auch eine „Regierung“, unser Gehirn (die „Regierungszentrale“ ist das Stammhirn – tief im Gehirn eingebettet der älteste Gehirnanteil, wo eine Menge „Überlebensprogramme“ und die Steuerzentrale für unzählige automatisierte Prozesse, wie Regelung der Herzfrequenz, Atmung, Reflexe und Organfunktionen zuhause sind). Die Blutbahnen stellen die Straßen der Stadt dar, über welche unzählige Lieferanten alle Ecken und Enden der Stadt erreichen können. Die diversen Organe sind diverse „Unternehmen“, welche unter anderem verschiedene lebenswichtige Produkte produzieren. Die Nieren stellen die „Klärwerke“ dar. Und die Leber ist unsere wichtigste „Fabrik“. Die Hormone sollen die „Bauarbeiter“ darstellen, die Enzyme die „Werkzeuge“. Die „Polizei“, die Immunabwehr, bekämpft unablässig „Eindringlinge“ wie Viren und Bakterien, welche in der Stadt Randale machen wollen. Selbst der Magen wird in Bilder verpackt: hier werden die „Rohstoffe“ (Eiweiß), „Papier“ und „Briketts“ grundgereinigt, um dann danach in den Darm zu gelangen, welchen du dir wie einen langen Schlau mit einer Wand, bestehend aus einem engmaschigen „Maschendrahtzaunnetz“, vorstellen kannst. Durch diese engen Maschen wollen alle angelieferten Stoffe hindurch. Und weil diese nicht passen, müssen sie mit Hilfe von Enzymen („Werkzeugen – z.B. „Scheren“) auseinander geschnitten werden. Ballaststoffe sind der harte „Pappkarton“, welche nicht mit den Scheren zerschnitten werden kann. Er reibt an den Maschen des Zaunes entlang, nimmt dabei unerwünschte Stoffe mit auf die Reise am Ende des Darms, sorgt somit für einen gesunden Darm.

Zugegeben: sehr vereinfach! Und genau deshalb auch gut verständlich! Denn wenn dazu in deinem Kopf die passenden Bilder entstehen – was ich „Kopfkino“ nenne. So hast du eine Vorstellung, wie deine „Stadt“, dein Körper, funktioniert. Und somit besteht eine weitaus größere Chance, dass du als „Bürgermeister“ deiner „Stadt“ viel sorgsamer umgehst bzw.dich mit deiner „Stadt“ auch mehr beschäftigen willst.

Der Mensch denkt in Bildern. Mit meiner bildhaften Sprache schaffst du dir eine neue Grundlage, wie du mit deinem EINZIGEN Körper umgehst. Dadurch wird dir zukünftig einiges klarer. Denn plötzlich klingt Ernährungsberatung so einfach wie die Zweibein, Dreibein, Einbeingeschichte, wenn auch hier sinnvolle „Referenzbilder“ verwendet werden:

Ein Zweibein (ein Mensch) sitzt auf einem Dreibein (einem Hocker) und isst ein Einbein (Hähnchenkeule). Kommt ein Vierbein (Hund) zur Türe herein, schnappt dem Zweibein das Einbein weg, worauf das Zweibein das Dreibein nimmt und nach dem Vierbein schmeisst. Wie einfach… so einfach, wie auch Ernährung mit Bildern klingen kann!

Patric Heizmann... in Bildern: der Typ links am Bildrand ;o)

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9 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Richtigerweise schnappt das Vierbein nach dem Einbein und bekommt dann mit dem Dreibein eins übergebraten! Oder?

Patric Heizmann hat gesagt…

Super aufgepasst! Habe ich gleich geändert! Vielen Dank :o)

Patric Heizmann

Silvia1983 hat gesagt…

hallo patric,

ich hab da eine frage: ich hab mal gelesen dass du geschrieben hast, wenn man süssigkeiten mag dann sollet man sie gleich unmittelbar z.b. nach dem mittagessen essen. aber aus welchem grund? wenn ich nach einem hühnerfleisch mit reis und gemüse einen schokoriegel ess, wird dann das ganze essen nicht in zucker umgewandelt und das gesunde essen war umsonst?? kannst du mir das erklären?ich ess nämlich immer erst 3h nach dem essen was süßes. bitte um info.

danke

lg silvia

Patric Heizmann hat gesagt…

Hallo Silvia,

das ist einfach: wenn du schon REIS ist (Kohlenhydrate), dann macht ein bisschen mehr in Form von Süßem nicht viel aus. Wenn aber nach 3h der Blutzuckerspiegel langsam abgebaut ist, schiebst du wieder KH nach. Und das Spiel geht von vorne los...

Grüße,
Patric Heizmann

susann hat gesagt…

Lieber Patric, ich habe mit Interesse die vielen Tipps verfolgt und versuche schon seit 20 Jahren eher erfolglos abzunehmen. Nicht, das ich zu viel auf den Rippen hätte, aber ich schaff das einfach nicht.Ich werde nun versuchen,nach dem Ernährungsbuch zu essen. Aber meine Frage, was ess ich früh, was den Tag über und was abends? Ich komm einfach nicht zurecht.( Ich habe blöderweise Deinen Vortrag verpasst) Welchen Sport und wie viel ist gut? ( ich geh 2 mal die Woche zum ausdauertraining in;s Fitnessstudio) und bin immer noch ziemlich verzweifelt.Vielleicht kannste mir da weiterhelfen.liebe Grüße,Susann

Patric Heizmann hat gesagt…

Hallo Susann,

es würde nun sehr weit führen, wenn ich ausholen müsste, was alles zu beachten ist. Dafür habe ich mein Hörbuch und das Rezeptbuch kreiert. Hier findest du alle Infos, welche du benötigst. Wenn du dir schon 20 Jahre darüber den Kopf zerbrichst, dann nimm dir bitte unbedingt auch die zeit, die Einträge und Fragen bzw. Antworten in diesen Blog zu lesen. Ok?

Viel Erfolg wünsche ich dir.

LG.
Patric Heizmann

Anonym hat gesagt…

Hallo Patrick. Hier ist Timo aus dem Sporting-live. Ich liebe es auch, wie du, mit bilderhafter Sprache dem Kunden Information zu übermitteln. Ersten es macht mir mehr Spaß darüber zu reden und zweiten ist es für den Kunden ja wesentlich verständlicher und auch merkt er es sich besser-)

Auch dein Seminar bei uns habe ich mit Begeisterung verfolgt sowie deine CD und natürlich auch deine Homepage blättere ich regelmäßig durch! Vorab von mir ein großes Lob!!

Mir ist nur aufgefallen, dass es eine klitzekleine Lücke gibt bezogen auf das Ausdauertraining und dem Muskelkrafttraining.
Warum man mit Ausdauertraining alleine "nicht" "schlank" wird, sondern dass man am besten die Kombi aus Ausdauer- und Krafttraining machen sollte.

Ich habe mir letztens Gedanken gemacht, wie man diese Lücke füllen könnte.
Ich habe selber nach einer möglichen Erklärung gesucht, um es meinen Kunden umso deutlicher zu erklären. Vielleicht gefällt dir diese Idee:

Ich sehe die Muskulatur wie eine Industriefläche, auf der die Kraftwerke (KW) stehen. Habe ich einen schwachen Muskel habe ich natürlich auch eine kleine Industriefläche und kleine KW. Wenn man nur Ausdauer machen würde, würden sich die KW ja vermehren (Mitochondrienbildung). Das passiert aber nur bis zu einem bestimmten Niveau. Denn die Fläche ist ja genau so groß wie vorher, die ändert sich nicht. Also kann ich vielleicht höchstens ein zwei weitere KW bauen. Somit werde ich aber den erwünschten Effekt der Fettverbrennung nicht erhalten.

Somit ist eine Kombi notwendig.
Krafttraining= größere Industriefläche und Vergrößerung der KW und die jetzt noch unbenutzte Fläche können wir durch ein erweitertes Ausdauertraining neu bebauen. Deswegen ist für eine optimale Fettverbrennung ein Krafttraining mit einem kombinierten Ausdauertraining sinnvoll.

Vielleicht kannst du mir ja antworten, und mir berichten, ob dass von der Überlegung ein guter Ansatz zur Erklärung des Irrglaubens, dass Ausdauertraining, dass Beste für die Fettverbrennung wäre?

hochachtungsvoll Timo

Patric Heizmann hat gesagt…

Timo... ganz klasse!

Das ist eine hervorragende Möglichkeit. Wirklich. Und wenn du es gestattest, nehme ich herzlich gerne deinen Tipp auf und werde ihn auch gleich nächste Woche bei zwei Vorträgen testen. Ich bin immer dankbar für einen Tipp und das war ein Exzellenter!

Vielen Dank. Hochachtungsvoll zurück :o)

Patric Heizmann

Anonym hat gesagt…

Ich bedanke mich für die schnelle Antwort.
Freut mich, wenn dir die Idee gefällt. Also viel Glück bei den weiteren Vorträgen, und wir werden uns bestimmt noch mal sehen. Vielleicht biste ja mal wieder in HH bei uns im Laden.
Gruß an Eileen. :-)